Wer hat zuletzt daran gedacht, dass die Kfz-Versicherung zum Jahresende gekündigt werden muss? Wer hat im Kopf, dass die Steuerberaterin noch auf die Reisekostenbelege wartet – und gleichzeitig, dass der Kühlschrank leer ist? Genau das ist Mental Load: nicht die Aufgabe selbst, sondern das ständige Mitdenken, Planen und Im-Blick-Behalten. Eine aktuelle Studie zeigt, wie ungleich diese unsichtbare Last verteilt ist – und warum das für Unternehmerpaare doppelt relevant ist.
Die Studie: Fast jede zweite Frau spürt eine unfaire Verteilung
Im Juni 2026 hat die Drogeriekette BIPA gemeinsam mit dem Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) an der Universität Wien eine repräsentative Studie zu Mental Load vorgelegt. Für die Untersuchung wurden 1.579 Personen zwischen 16 und 75 Jahren befragt. Das zentrale Ergebnis: Die Wahrnehmung von Fairness klafft zwischen den Geschlechtern deutlich auseinander.
Einige Kernzahlen aus der Studie:
- 87 Prozent der Männer empfinden die Aufteilung der Planungs- und Organisationsarbeit als fair – bei den Frauen sind es nur 66 Prozent.
- 53 Prozent der Frauen organisieren Arzttermine allein oder überwiegend selbst, bei Männern sind es nur 19 Prozent.
- Fast drei Viertel der Befragten (74 %) geben an, bestimmte Aufgaben oft unbewusst und automatisch zu übernehmen – aus Gewohnheit, ohne je wirklich gefragt worden zu sein.
- 29 Prozent der Frauen haben mehrmals pro Woche stressbedingte körperliche Beschwerden.
- Jedes dritte Paar berichtet von Konflikten aufgrund der ungleichen Alltagsverantwortung – in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen ist es sogar mehr als jedes zweite.
Auch für Deutschland zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Daten der Bertelsmann Stiftung zeigen, dass rund 68 Prozent der Männer von einer gerechten Aufteilung ausgehen, aber nur 44 Prozent der Frauen das genauso sehen.
Dr. Eva-Maria Schmidt, Familienforscherin am ÖIF, ordnet das Phänomen wissenschaftlich ein: Die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit sei kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem, das tief in der Sozialisation verwurzelt ist. Frauen und Männer würden mit unterschiedlichen Erwartungen aufwachsen und sich – oft lange bevor sie bewusst darüber nachdenken – geschlechtsspezifische Zuständigkeiten selbst zuschreiben.
(Quelle: BIPA/REWE Group, Pressemeldung vom 16.06.2026)
Der Powerpaar-Twist: Wenn Mental Load mit ins Unternehmen zieht
Bei Unternehmerpaaren bleibt Mental Load nicht am Küchentisch stehen – sie zieht mit ins Büro. Wer denkt daran, dass die Kollegin nächste Woche Geburtstag hat? Wer merkt, dass die Stimmung im Team gerade kippt, bevor es jemand offen anspricht? Wer hat im Kopf, welches Teammitglied gerade privat durch eine schwierige Phase geht? Genau wie im Privaten wird auch im Unternehmen diese unsichtbare Denkarbeit oft automatisch und unausgesprochen von einer Person übernommen – häufig zusätzlich zur ohnehin schon ungleich verteilten Organisation zu Hause.
Das Tückische daran: Diese doppelte Mental Load – privat und geschäftlich – bleibt meist unsichtbar, weil sie nirgends in einer Stellenbeschreibung steht und in keiner Bilanz auftaucht. Genau deshalb wird sie leicht übersehen, bis sie sich in Erschöpfung, Gereiztheit oder eben genau jenen Partnerschaftskonflikten äußert, die die Studie beschreibt.
Drei Ansatzpunkte, wie Unternehmerpaare diese unsichtbare Last sichtbar machen und fairer verteilen können:
1. Konzeption, Planung, Ausführung wirklich komplett übergeben. Eine Aufgabe ist erst dann wirklich delegiert, wenn alle drei Phasen abgegeben sind: das Erkennen, dass etwas zu tun ist, die Organisation dahinter – und erst zuletzt die eigentliche Ausführung. Wer nur den dritten Schritt übernimmt, entlastet den Partner oder die Partnerin nicht wirklich, weder privat noch im Unternehmen.
2. Verantwortungsbereiche statt einzelner Aufgaben zuweisen. Statt einzelne To-dos hin- und herzuschieben, hilft es, ganze Bereiche klar zuzuordnen – etwa: Eine Person verantwortet komplett das Onboarding neuer Mitarbeitender, die andere komplett die Kundenkommunikation. So entsteht echte Entlastung statt ständiger Abstimmung.
3. Eine feste Lagebesprechung einführen – privat wie geschäftlich. Eine kurze, regelmäßige Absprache, in der beide synchronisieren, was ansteht und wer welchen „Hut“ in der kommenden Woche trägt, macht unsichtbare Arbeit sichtbar – und verhindert, dass sich die Last unbemerkt bei einer Person sammelt.
Fazit
Mental Load ist kein Randthema für Unternehmerpaare – sie ist eine Führungsfrage. Wer im Unternehmen für klare Prozesse und Verantwortlichkeiten sorgt, sollte diesen Anspruch auch an die eigene Partnerschaft stellen. Die gute Nachricht: Wer die unsichtbare Arbeit einmal sichtbar macht, kann sie auch bewusst und fair verteilen – zu Hause wie im Unternehmen.





