Paar, das entspannt auf einer Parkbank sitzt und in die Ferne schaut

Always-on als Paar: Wenn Unternehmerpaare nie wirklich abschalten

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Der Laptop bleibt beim Abendessen zu – aber offen im Kopf. Man sitzt am Strand, doch ein Teil des Gehirns rechnet gerade die Liquidität für den nächsten Monat durch. Für viele Unternehmerpaare ist das kein Ausnahmezustand, sondern Alltag: Man ist nie wirklich raus, weil man nie wirklich allein ist mit dem Abschalten – der Partner oder die Partnerin steckt ja genauso mittendrin. Zwei aktuelle Studien zeigen, wie weit verbreitet dieser Zustand des Dauer-Erreichbarseins mittlerweile ist – und was er anrichtet.

Die Studie: Ständig auf Empfang, selten wirklich offline

Die IU Internationale Hochschule hat im Mai 2026 die repräsentative Studie „Always-on: Digitaler Stress in Deutschland“ veröffentlicht. Die zentrale Erkenntnis: Ein Großteil der Menschen in Deutschland befindet sich in einem Zustand permanenter digitaler Bereitschaft, der weit über die eigentliche Arbeitszeit hinausreicht.

Einige Kernzahlen aus der Studie:

  • 44,2 Prozent der Befragten haben das Gefühl, gedanklich ständig „auf Empfang“ zu sein.
  • 46,9 Prozent fühlen sich im Kopf angespannt, obwohl sie eigentlich abschalten möchten.
  • 32,0 Prozent fühlen sich am Ende des Tages häufig oder sogar täglich emotional oder mental erschöpft.
  • 31,9 Prozent berichten von häufigen oder täglichen Ein- oder Durchschlafproblemen.
  • Besonders betroffen sind Frauen, mit 38,5 Prozent (Erschöpfung) bzw. 38,6 Prozent (Schlafprobleme).
  • 56,0 Prozent wünschen sich, häufiger offline zu sein – schaffen es aber nicht.

Prof. Dr. Stefanie André, die an der IU zu Gesundheitsmanagement lehrt und forscht, bewertet die Ergebnisse als Beleg für einen lebensweltlichen Always-on-Zustand: eine mentale Daueraktivierung, die sich vom Aufwachen bis zum Einschlafen über Arbeit, Familie und Alltag zieht. Viele Menschen wollten zwar häufiger offline sein, schafften es aber strukturell kaum.

Eine ergänzende Bitkom-Befragung vom Juli 2026 unterstreicht das Bild: 66 Prozent der Berufstätigen, die in diesem Jahr Sommerurlaub gemacht haben, blieben währenddessen beruflich erreichbar – ein Wert, der sich seit Jahren kaum verändert. Als Hauptgründe nannten die Befragten die Erwartungen von Kolleginnen und Kollegen sowie von Vorgesetzten.

(Quellen: IU Internationale Hochschule, Mai 2026, Bitkom e.V., Juli 2026)

Der Powerpaar-Twist: Wenn es keinen Feierabend gibt, der beide gleichzeitig betrifft

Bei den meisten Berufstätigen endet die berufliche Erreichbarkeit zumindest theoretisch, wenn der Feierabend beginnt. Bei Unternehmerpaaren ist das anders: Es gibt keinen Moment, in dem beide gleichzeitig „raus“ sind. Wer abends mit dem Menschen am Tisch sitzt, mit dem man tagsüber über Umsatzzahlen, Personalentscheidungen oder Lieferengpässe gesprochen hat, für den ist die Grenze zwischen Unternehmer-Rolle und Paar-Rolle ohnehin fließend.

Das bedeutet: Selbst wenn beide bewusst das Handy weglegen, bleibt das Unternehmen oft im Gespräch – beim Abendessen, im Urlaub, im Bett kurz vor dem Einschlafen. Genau das ist die Kehrseite dessen, was Unternehmerpaare sonst als Stärke erleben: Die enge Verzahnung von Privat- und Geschäftsleben, die im Alltag so viel Nähe und schnelle Abstimmung ermöglicht, macht es gleichzeitig besonders schwer, wirklich gemeinsam abzuschalten.

Drei Ansatzpunkte, wie Unternehmerpaare bewusst Grenzen zwischen Unternehmer- und Paar-Rolle ziehen können:

1. Feste „Unternehmens-freie“ Zeiten vereinbaren – und wirklich einhalten. Ein klar definiertes Zeitfenster, in dem das Unternehmen tabu ist – etwa ab 20 Uhr oder beim gemeinsamen Frühstück – schafft einen verlässlichen Rahmen. Entscheidend ist dabei weniger die genaue Uhrzeit als die gegenseitige Verbindlichkeit: Beide halten sich daran, auch wenn gerade ein spannendes Thema in der Luft liegt.

2. Getrennte Räume für getrennte Rollen schaffen. Wo räumlich möglich, hilft es, Unternehmerthemen bewusst an einen Ort zu binden – das Büro, den Schreibtisch, ein bestimmtes Zimmer. Wer das Wohnzimmer oder das Schlafzimmer konsequent unternehmensfrei hält, schafft physische Signale dafür, wann welche Rolle gerade „an“ ist.

3. Erreichbarkeit im Team aktiv delegieren statt implizit erwarten. Ein großer Teil des Erreichbarkeitsdrucks entsteht laut Studie durch die Erwartung von Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten. Wer als Unternehmerpaar klare Vertretungsregelungen und Entscheidungskompetenzen im Team verankert, reduziert den gefühlten Zwang, im Urlaub oder abends doch noch erreichbar sein zu müssen – für sich selbst und für die eigenen Mitarbeitenden gleichermaßen.

Fazit

Always-on ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Muster – bei Unternehmerpaaren jedoch besonders ausgeprägt, weil es keinen Moment gibt, in dem beide automatisch gleichzeitig abschalten. Wer das erkennt, kann bewusst gegensteuern: mit klaren Zeiten, klaren Räumen und klaren Zuständigkeiten im Team. Das eigentliche Ziel ist nicht, das Unternehmen für eine Weile zu vergessen – sondern als Paar wieder Momente zu haben, in denen wirklich nur die Beziehung im Raum ist.

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